Boris ist ein Hobby Blogger für Uhren, er hat über 10 Jahre seines Lebens damit verbracht, sein Blog zu etablieren, welches sich sowohl auf vintage Uhren als auch moderne Uhren konzentriert.


1. Beschreiben Sie kurz Ihre Kindheit.

Ich bin in Köln geboren als Kind eines jugoslawischen Vaters und einer deutschen Mutter. Ich bin zweisprachig aufgewachsen. Meine Teenagerzeit habe ich in einem Jesuiteninternat im Schwarzwald verbracht unweit der schweizer Grenze. Das waren tolle Jahre mit tiefen Freundschaften, die bis heute währen. Wir haben viele Dinge unternommen wie Sport, Musik, Theater, Konzerte und Paartanz. Ich habe früher Beethoven und Chopin am Klavier gespielt wie auch Scott Joplin und Lieder von Frank Sinatra.


2. Hatten Sie als Kind einen besonderen Ehrgeiz?

Als Kind wollte ich gerne Opernsänger werden. Ich liebe klavierspielen, Musik und Gesang. Meine Stimme wurde 9 Jahre lang zum Tenor ausgebildet und es gibt professionelle Aufnahmen im Chor und auch alleine.


3. Was ist Ihre frühste nennenswerte Kindheitserinnerung?

Gute Frage. Warum auch immer, ich habe keine besondere Erinnerung aus meiner Kindheit. Woran ich glaube mich zu erinnern ist etwas was vielleicht meine Zuneigung zu Uhren erklärt. Soweit ich mich erinnere habe ich bei Spaziergängen mit meinen Eltern gequängelt um Uhren in den Schaufenstern von Juwelieren anzuschauen...


4. Haben Sie jemals einen anderen Beruf ausgeübt?

Ja. Ich habe meinen MBA an der Loyola Universität Chicago gemacht. Danach habe ich jahrelang als Datenbankentwickler gearbeitet bei verschiedenen Beratungsfirmen wie Aon Hewitt in Chicago und PricewaterhouseCoopers in New York City. Ich habe insgesamt 14 Jahre in den USA gelebt. Eine wundervolle Zeit voller Erinnerungen. Ich habe auch für Sothebys Real Estate in Chicago gearbeitet bevor ich wieder nach Deutschland ging. Ich habe eine amerikanische Auktionatorenlizenz von Kruse. Meine Hoffnung war Auktionator bei Sothebys im Uhrendepartment zu werden. Leider hat das nie geklappt.

 

5. Was hat Sie dazu veranlasst, Ihren gegenwärtigen Berufsweg einzuschlagen?

Ich bin 2009 zurück nach Deutschland um meinem kranken Vater zu helfen. Während ich in den USA war habe ich begonnen vintage Uhren zu sammeln, vorrangig Rolex und Omega. In der frühen Zeit vor 2000 war das Uhrensammeln ganz anders als heute. Wir konnten niemanden fragen, es gab kein Internet zum recherchieren, nichts. Es gab ein grosses Uhrforum in USA welches ich benutzt habe, aber damals war das Wissen noch nicht so verbreitet über Uhren wie heute. Im Grunde genommen musste man seinem Gefühl vertrauen und kaufen. Weitestgehend ging das gut. Ich habe jahrelang gekauft und verkauft nebenbei und dann 2010 meine eigene Firma gegründet um vintage Uhren zu handeln.

Ich hatte ehrlich gesagt keinen Plan als ich meine Firma gegründet habe. Irgendwie ging es bis jetzt gut und nächstes Jahr habe ich 10-jähriges Jubiläum. Ich liebe Uhren. Ich habe Spass Leute kennenzulernen, die diese Liebe mit mir teilen. Es macht Spass andere Sammler kennenzulernen.

Diese Entscheidung hat mich vor viele Herausforderungen gestellt und mir tolle Chancen geboten, die ich mir nicht vorstellen konnte. Ich komme nicht aus einer alteingesessenen Juweliersfamilie. Ich bin auch kein Uhrmacher. Ich musste mir alles selber beibringen, auf die harte Art. Damals konnte man nicht Google und Foren konsultieren. Ich liebe die Herausforderung, die jeden Tag erneut auf mich wartet. Es kommt immer was neues.

Ich weiss, dass es gewissermassen ein Privileg ist sich mit schönen Uhren zu befassen. Das Geschäft ist bekannt und hat sich eine Nischenposition erarbeitet. Mittlerweile verkaufe ich nicht nur vintage Uhren, sondern auch Uhren einiger kleiner Marken. Ich habe auch schon Zifferblätter designed und limitierte Editionen von kleinen Uhrenmarken kreiert und verkauft. Ich habe eine ausgeprägte künstlerische Ader von klein auf, ich male seitdem ich ein kleines Kind bin. Malen hilft mir mich nach einem anstrengenden Tag zu erholen und abzuschalten. Meine Bilder wurden auch schon in Chicago ausgestellt und zuletzt in einer Deutschen Bank Filiale in Köln.

 

6. Was war der schlimmste Job, den Sie je hatten?

Das war ein Praktikum bei einem Steuerberater. Er hat mich die meiste Zeit ignoriert und mir nicht geholfen, etwas zu lernen. Die meiste Zeit sass er in seinem Büro und hat über den Computer geflucht. Eigentlich war das lustig. Darauf wusste ich, dass ich niemals Steuerberater werden will. Die Erfahrung hat aber sicher beigetragen, dass ich mich dann als Unternehmer selbständig gemacht habe in meinem Leben und dort eigene Entscheidungen fällen kann.

 

7. Was war der absolute Tiefpunkt Ihrer Karriere?

Meine härteste Erfahrung war meinen Vater gemeinsam mit meiner Mutter fast 4 Jahre zu pflegen. Ich musste in der gleichen Zeit mein Geschäft aufbauen was eine doppelte Belastung dargestellt hat. Es war auch nicht leicht in einem Land wo ich 14 Jahre nicht mehr gelebt hatte ein Geschäft aufzubauen.

 

8. Wer hat Sie am meisten beeinflusst? Wer oder was inspiriert Sie?

Mein Grossvater mütterlicherseits. Er war ein sehr ruhiger, warmherziger besonnener und weiser Mann. Ich habe seinen Geschichten immer gerne zugehört. Er hat mir “süsse” Lügen erzählt. Eine davon war, dass er mir erzählt hat, dass er fliegen kann. Eines Tages würde er mich auf den Berg mit hochnehmen wo er unterhalb wohnte und würde dann mit mir zusammen runterfliegen. Mein Traum ist das Fliegen. Fliegen bedeutet für mich auch die Fähigkeit Hindernisse zu überwinden.


9. Worauf sind Sie am meisten stolz?

Ich muss eingestehen, dass meine Rückkehr nach Deutschland härter war als ich erwartet hatte. Ich hatte zwei grosse Herausforderungen. Einmal die Pflege meines Vater. Dazu die Gründung meiner eigenen Firma. Ich bin stolz, dass mein Vater bis zum letzten Tag in unserem Haus leben durfte. Ich ich bin froh, dass ich es geschafft habe, meine Firma aufzubauen. Es ist ein Privileg sich den ganzen Tag mit schönen alten Uhren befassen zu dürfen. Ich habe meine Leidenschaft gefunden und in eine Berufung gewandelt. Was kann man sich noch wünschen?


10. Welchen Rat würden Sie einem Zwanzigjährigen geben, der einen ähnlichen Weg wie Sie einschlagen möchte?

Man soll sowas nur tun, wenn man es besonders liebt. Als ich begann mit meiner eigenen Firma war der Wettbewerb bei weitem noch nicht so hart. Wer jetzt beginnt, muss verstehen, dass er Zeiten hat voller Schwierigkeiten, wo das Geschäft nicht läuft und wo man sehr starkes Durchhaltevermögen braucht und man kämpfen muss bis man sich durchsetzt. Man ist nie angekommen, sondern wird immer auf dem Weg dahin sein. Es gibt keine Sicherheit. Wer das akzeptiert, warum nicht?


11. Nennen Sie drei Dinge, die Sie noch erleben möchten:

1) Ich will gerne nach Australien und Koala Bären anschauen.

2) Ich würde gerne mal den Pilotenschein machen. Ich habe vor dem 11.9.2001 damit begonnen und musste danach aufhören, weil meine Flugschule monatelang geschlossen war. Eines Tages will ich das trotzdem nachholen.

3) Ich möchte eines Tages die Route 66 mit meiner Freundin zusammen runterfahren.


12. Wie wird sich Ihrer Meinung nach die Branche in den nächsten 10 Jahren entwickeln?

Ich befürchte, dass einige Uhrenhersteller in den kommenden Jahren verschwinden werden. Wettbewerb ist sehr hart. Gleichzeitig sehe ich viele Chancen, vorwiegend aus Asien. Asiatische Käufer kaufen die meisten teuren neuen Uhren, früher oder später werden sie auch vintage Uhren kaufen wollen.

Uhren und Luxus werden wahrscheinlich mal Rückschläge erleben, aber die junge Generation wird auch nachkommen.

Ich denke, es werden mehr Leute online kaufen, auch wenn das vielleicht Transportprobleme geben wird. Die Hersteller werden sich auch auf online Verkaufen einstellen wie z.B. Audemars Piguet. Und sie wollen ein Stück vom vintage Uhrenmarkt. Das wird zu verstärktem Wettbewerb führen.

Die grossen Marken wie Rolex und Patek Philippe werde ihre Position noch stärker festigen.

Mit Blick auf vintage Uhren sehe ich starke Nachfrage nach alten Taucheruhren und Chronographen, mittlerweile auch von total unbekannten Marken. Selbst die Werke scheinen egal zu sein. Die Preise der Topmarken steigen enorm, die weniger bekannten Marken ziehen nach. Es gibt auch viele kaum bekannte und nicht mehr existente Marken wie Universal Geneve, Excelsior Park, Gallet, Doxa, etc..

 


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