'Fabienne Lupo, Vorsitzende und Geschäftsführerin der Fondation de la Haute Horlogerie (FHH), hat die schwierige Aufgabe übernommen, die Uhrmacherkunst in die Zukunft zu führen, und sie legt dabei einen klaren Fokus auf Handwerk und Luxus. Die FHH ist Organisator der SIHH.'

Elizabeth Doerr (Chefredakteurin Quillandpad.com)


1.     Beschreiben Sie kurz Ihre Kindheit.

Mein Vater war Bauleiter und meine Mutter Krankenschwester. Ich hatte das Glück, eine unbeschwerte und manchmal auch etwas einsame Kindheit zu verbringen. Ich war Einzelkind; das hat meine Fantasie, Kreativität, Neugierde und die Lust auf neue Kontakte geweckt.

2. Hatten Sie als Kind einen besonderen Ehrgeiz?

Ich wäre gerne Künstlerin geworden... wie sagt man? Tänzerin, Schauspielerin, Sängerin. Ich liebe es, mich in andere hineinzuversetzen.

3. Was ist Ihre frühste nennenswerte Kindheitserinnerung?

Sonntagnacht, wenn wir von meinen Großeltern nach Hause fuhren, lag ich auf dem Rücksitz, schaute in den Sternenhimmel und erfand Geschichten über mein künftiges Leben.

4. Haben Sie jemals einen anderen Beruf ausgeübt?

Ja, ich habe Marketing-Studien an große Werbekunden zu ihren Media-Investitionen verkauft. Ich habe auch im Marketing von Kosmetikprodukten und rund um die Entstehung eines Damenparfums gearbeitet.

5. Was hat Sie dazu veranlasst, Ihren gegenwärtigen Berufsweg einzuschlagen?

Den Beruf des Messeveranstalters habe ich für mich entdeckt, als ich an Foire de Marseille gearbeitet habe, für die ich unter anderem zuständig war. Das ist eine echte Großveranstaltung mit 1.500 Ausstellern und 450.000 Besuchern in neun Tagen.

6. Was war der schlimmste Job, den Sie je hatten?

Abteilungsleitungs-Assistentin im Großhandel.

7. Was war der absolute Tiefpunkt Ihrer Karriere?

Mein Brustkrebs. Niemand ist davor sicher. Man wird sich mit einem Mal seiner Sterblichkeit bewusst – das ist eine Prüfung, aber auch gute Gelegenheit, sich zu entscheiden, wie man den Rest seines Lebens verbringen möchte.

8. Wer hat Sie am meisten beeinflusst? Wer oder was inspiriert Sie?

Mein Vater auf jeden Fall, mit seiner Weitsicht und seinem gesunden Menschenverstand. Mein Chef an der Messe von Marseille, der mir Selbstvertrauen geschenkt hat. Und natürlich auch Franco Cologni, mein Mentor seit 20 Jahren. Ihm habe ich zu verdanken, dass ich heute bin, wo ich bin.

9. Worauf sind Sie am meisten stolz?

Meine Kinder, wie jede Mutter.

10. Welchen Rat würden Sie einem Zwanzigjährigen geben, der einen ähnlichen Weg wie Sie einschlagen möchte?

Ich könnte es nicht besser sagen als René Char: „Ergreife deine Chance, pack dein Glück, geh das volle Risiko ein: Dich zu sehen, daran werden sie sich bald gewöhnt haben.“

11. Nennen Sie drei Dinge, die Sie noch erleben möchten:

Ein Buch zu schreiben, in einem Film mitzuspielen, eine verrückte Großmutter zu werden.

12. Wie wird sich Ihrer Meinung nach die Branche in den nächsten 10 Jahren entwickeln?

Meine Kristallkugel sagt mir, das wir glücklicherweise in einer sehr widerstandsfähigen, reaktionsschnellen und kreativen Branche arbeiten, wo herrliche Dinge entwickelt und produziert werden, die ihre Zeit überdauern und nach denen es die Menschen immer verlangen wird. Aber dennoch muss sie mit der Zeit gehen und sich neuen Techniken und Technologien öffnen, die ihr gesamtes Ökosystem, Fertigung, Vertrieb, Kommunikation und Kunden beeinflussen werden. Die Uhrmacherkunst wird beweisen müssen, dass sie in der Lage ist, vorauszuschauen und sich anzupassen. Das werden die Schlüssel zu ihrem Erfolg sein.

Ich bin sicher, dass der Schweizer Uhrenbranche noch eine rosige Zukunft bevorsteht, wenn es ihr gelingt, ihre Begehrlichkeit in der Welt beizubehalten, wenn nicht gar zu steigern. 


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